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„de stat to de wissemer“

 

  Stadtansicht 1550  

 

Kurze geschichtliche Darstellung Wismar´s

Eine richtige Urkunde für das Gründungsdatum Wismars gibt es nicht, da diese einem Rathausbrand zum Opfer fiel.

Im Privilegienbuch der Stadt, das im Stadtarchiv als einer der kostbarsten Bestände aufbewahrt wird, bestätigte Herzog Albrecht II. von Mecklenburg am 14. Februar 1351 die 1229 ausgestellte Schenkungsurkunde des Herzog Johann von Mecklenburg, in der er seinen „lieben Bürgern von Wismar“ ein Gebiet zwischen Wendorf und der Köppernitz überließ. Seitdem wird dieses Jahr als das Jahr der Stadtgründung angesehen, obwohl die Stadt mit Sicherheit einige Jahre früher bestanden hat.

Schon sehr früh war dieser Ort an der denkbar günstig gelegenen gezeitenlosen Bucht, geschützt durch die vorgelagerte Insel Poel, Anziehungsbucht für Seefahrer und Händler. Davon zeugen noch heute viele archäologische Funde und zahlreiche Schiffsfragmente aus frühmittelalterlicher Zeit.

Alter Hafen um 1910
Der Hafen war auch der wesentliche Anlass für die planmäßige Besiedlung Wismars, deren neue Einwohner vornehmlich aus dem wetsfälischen, niederländischen und holländischem Raum kamen. Hinzu kam die Salzstraße, die von Lüneburg über Lübeck bis nach Stralsund ging.
Alter Hafen um 1910

Die verkehrliche Infrastruktur war der entscheidende Faktor - ein Umstand, der sich bis heute nicht verändert hat.

Die Vorgeschichte Wismars läßt sich durch archäologische Funde sehr weit in die Vergan-genheit nachvollziehen, doch erste schriftliche Zeugen sind uns durch die dänische Knytlingasaga bekannt, wo die die Dänen auf einem Kriegszug gegen die Wenden in 1142 in „Vizmarhofn“ landeten. In einer Urkunde von 1167 wurde erwähnt, dass die Grenze ziwschen den Bistümern Ratzeburg und Schwerin unter anderem die „aqua wissemara“ sein soll. Letztendlich erlaubte Kaiser Otto II. in einer - rechtlich umstrittenen - Urkunde vom 4. Januar 1209 dem Schweriner Grafen Heinrich, das die Schweriner Bürger in „dem Wissemer“ genannten Hafen, zwei Koggen und beliebig viele kleine Schiffe zu halten.

Hier ist sicher auch anzunehmen, dass in unmittelbarer Nähe zum Hafen die ersten bescheidenen Besiedlungen begannen. Das Privileg für die Schweriner wird später nicht mehr erwähnt und bestätigt den nie ausgeräumten Verdacht der Fälschung dieser Urkunde.

Die Herkunft des Stadtnamen ist bis heute nicht genau zu erklären, doch man geht davon aus, dass das schon erwähnte Flüßchen „aqua wissemara“, wo auch das urkundlich erwähnte Dorf Alt-Wismar lag, der Namensgeber der Stadt ist und so entsand auch der erste Name für die Stadt: „de stat to de wissemer“.

Die Stadt entwickelte sich in ihren ersten Jahren sehr schnell zu einem blühendem Gemeinwesen. Zu gleicher Zeit wurde mit dem Bau der noch heute das Stadtbild prägenden Kirchen St. Marien, die Kirche des Rates und der Kaufleute und St. Nikolai, der Kirche der Seefahrer begonnen.
Braun & Hogenberg um 1885
Braun & Hogenberg um 1585

Schon 1250 mußte eine Stadterweiterung vorgenommen werden, da die Einwohnerschaft sehr schnell anstieg und man begann mit dem Bau der dritten Stadtkirche, der St. Georgenkirche. Diese Kirche sollte, wie keine andere, der Stadt bis heute Symbol für die Tatkraft Wismarer Bürger darstellen. Geplant als größte gotische Basilika der Stadt, wurde der Bau zum Ende 15. Jahrhundert, als Wismars wirtschaftliche Kraft dem Ende neigte, mit einem Notturm beendet. Im 2.Weltkrieg am 14/15.April 1945 sehr stark zerstört, fristete sie als größte gotische Ruine Europa ihr Dasein und letztendlich stürzte am 26. Januar 1990 der Nordgiebel ein. Hier setzte der Aufbauwille, die Kraft und der unbeugsame Wille der Wismarer ein und es wurden alle Kräfte mobilisiert, um die Kirche wieder aufzubauen. Heute spricht man vom „schönsten Wunder“ Wismars, denn 2010 soll das Gotteshaus wieder einer Nutzung zugeführt werden.

Alter Schwede in Wismar um 1900

Wismar hat sich im Gründungsjahrhundert rasant vergrößert. Nicht nur was das Stadtgebiet und die Einwohner betrifft, sondern auch im politischen und wirtschaftlichen Bereich. Gut 6.000 Einwohner gab es zu einer Zeit, als die Bürger mit dem Bau von drei großen Stadtkirchen begannen.

Die Bedeutung der Stadt nahm zu, als der mecklenburgische Herzog seinen Sitz vom Dorf Mecklenburg nach Wismar verlegte.

Alter Schwede um 1900

Noch bedeutender war der 6. September 1259 als die Städte Lübeck, Wismar und Rostock ein Bündnis gegen die „Seeräuberey“ schlossen, das folgenschwer und eine Erfolgsgeschichte werden sollte. Mit diesem Bündnis wurde der Grundstein zum „wendischen Quartier“ der schon im 12. Jahrhundert begründeten Hanse gelegt. Weitere Städte folgten und bildeten gemeinsam die Deutsche Hanse.

Der mecklenburgische Fürst Heinrich bestätigte 1266 den Gebrauch des „lübschen Rechtes“, das in der Folgzeit nahezu alle Hansestädte aufnahmen und auch Grundstein für wirtschaftliche Erfolge legte.

Der zweite Hansetag in Lübeck spricht auch von den „steden van der dudischen Hanse“. Die Blütezeit der Hanse lag vom 13. bis 17. Jahrhundert, ehe dann im 1669 der letzte Hansetag in Lübeck unter geringer Teilnahme statfand.Wismar war auf 32 Hansetagen vertreten und vertrat 1628 letztmalig seine Interessen auf einem Hansetag in Lübeck.

Wismar gehörte nach dem westfälischen Frieden zum Königreich Schweden und gehört seit 1990 wieder dem 1980 gegründeten Hansebund der Neuzeit mit derzeit 210 Städten an.

Die wirtschaftliche und politische Bedeutung Wismars ist im frühen Mittelalter unbestritten groß, jedoch erhielt sie nie wie z.B. Lübeck, Hamburg und Bremen den Status einer Freien Hansestadt. Sie war stets dem mecklenburgischen Herrscher untertan, was aufgrund des großen Selbstbewußtsein der Bürger stets zu Spannungen führte
Markt um 1900
Markt um 1900


und der mecklenburgische Herzog 1358 „völlig entnervt“ Wismar als Residenz aufgab und nach Schwerin zog. Als Relikt ist bis auf die heutige Zeit der als Amtsgericht genutzte Fürstenhof geblieben.

Bestimmend im wirtschaftlichen und politischen Leben Wismars waren die Kauf- und Seeleute. Handel wurde mit Salz , Leinen und Bier mit allen Regionen des Nord- und Ostseebereich es aber auch bis hin nach Spanien betrieben. Besonders das Wismarer Starkbier, die „Mumme“ war der Exportschlager und Lübeck ließ sogar die Einfuhr des Wismarer Bieres verbieten, da es Einbußen beim Absatz des eigenen Bieres befürchtete.

Das Brauregister von 1464/1465 zählte alleine 182 Brauerein, die für damalige Zeiten sehr große Mengen an dem äußerst beliebten Gerstensaft in ganz Nordeuropa herstellten. Und das zu einer Zeit, als Wismar sich schon im langsamen aber stetigen wirtschaftlichen Niedergang befand.

Eine bedeutende Gestalt, wenn auch für Wismar nicht unbedingt nachhaltig nachweisbar, war der Seeräuber Claus Störtebeker. Das Verfestungsbuch von 1380 erwähnte eine Prügelei, an der Störtebeker beteiligt war und man vermutet Wismar als Geburtsort des berühmtesten Piraten des Mittelalters in Ost- und Nordsee.

Rathaus um 1910
Durch die vorherrschende Stellung der Kaufleute im öffentlichen, poltischen und gesellschaftlichen Leben, sie stellten in schöner Regelmäßigkeit den Rat und auch den Bürgermeister, fühlten sich die Handwerke benachteiligt. Politische und auch draus resultierende blutige Unruhen gab es 1411 und 1427.
Rathaus um 1910


Diese erzwangen für die Handwerker die Ratsfähigkeit, doch erst ab 1848 wurden Handwerker im Wismarer Rat und in die Bürgerschaft gewählt.

Bedingt durch die Verlagerung des Handels auf anderen Bereichen und Routen und nicht zuletzt durch die Entdeckung Amerikas und anderer Länder, wurde die Handelstätigkeit weniger und einhergehend auch der Wohlstand beschränkter. Die Hanse verlor stetig an Bedeuung.

Äußerst schnell setzte sich, bedingt durch den Pragmatismus der Wismarer, die Reformation zwischen 1542 und 1532 durch. Die beiden Wismarer Klöster und ihr Besitz ging in städtisches Eigentum über, sowie auch der gesamte kirchliche Besitz. Wismar war nie Bischofssitz und hatte gegenüber dem Klerus immer ein distanziertes Verhältnis. Die drei großen Wismarer Kirchen werden zu recht auch als Stadt- oder Bürgerkirchen bezeichnet und aus den Klöstern wurden Schulen.

Eine bedeutende Zäsur in seiner Stadtgeschichte erfuhr Wismar mit dem Dreißigjährigen Krieg, wo die Stadt erstmals 1672 durch die kaiserlichen Truppen unter Wallenstein besetzt wurden. 1632 nahmen die Schweden Wismar ein und besetzten sie.

Nach dem „Westfälischen Frieden“ von Osnabrück, wurde die Stadt Wismar gemeinsam mit der Insel Poel und dem naheliegendem Amt Neukloster als „immerwährendes und unmittelbares Reichslehen“ schwedisches Staatsterritorium.

Der Wismarer Rat und die Bürgerschaft huldigten der schwedischen Königin Christina und diese wiederum bestätigte der Stadt uneingeschränkt alle bisherigen Privilegien.

Im Fürstenhof zog das schwedische Appellationsgericht für alle auf deutschen Territorium sich befindlichen schwedischen Besitzungen ein und räumte somit symbolisch der Stadt ihre überragende Stellung ein.

Die Stadt Wismar wurde in der Folgezeit zur stärksten Festung Europas ausgebaut, was die Dänen nicht hinderte, Wismar 1675 einzunehmen und erst 1680 nach dem Frieden von Fontainbleu wieder zu räumen. Die Befestigungsarbeiten wurden beschleunigt und Schwachstel-len, wie der einzigste Frischwasserzufluß in die auf dem Markt stehende Wasserkunst wurde durch einen zweiten ergänzt.

Das Königreich Schweden versuchte durch seine starke militärische Krafts, seit dem Mittelalter zu expandieren. So ist es nicht verwunderlich, dass Wismar immer wieder in kriegerische Handlungen hineinbezogen wurde, was die Stadt in alle Bereiche schädigte.

Der folgenschwerste Schlag war die Einbeziehung Wismars in den Nordischen Krieg zu Beginn des 18. Jahrhunderts in deren Folge ab 1717 die gesamten Festungsanlagen gesprengt werden mußten und vertraglich festgelegt wurde, dass Wismar nie wieder befestigt werden sollte und auch der Hafen nie eine militärische Anlage haben durfte - eine Festlegung, die sich noch lange auf Wismars wirtschaftliche und politische Lage auswirken sollte.

1757 nahmen die Preußen im Siebenjährigen Krieg kurz Besitz von der Stadt.

Ende des 18. Jahrhunderts verloren die Schweden immer mehr das Interesse an Wismar und sie nutzten eine geplatzte Verlobung zwischen eine meckleburgischen Herzogstochter mit dem schwedischen Thronfolger als Vorwand aus, um Verhandlungen mit Mecklenburg über einen Rückkauf Wismar aufzunehmen. Dieser kam im Malmöer Vertrag von 1803 zustande und ist als Kuriosum der Weltgeschichte zu sehen, da Wismar für 100 Jahre an Mecklenburg für 1,2 Millionen Taler verpfändet wurde und Schweden das Recht eingeräumt wurde 1903 mit dieser Summe plus Zinseszins, das Pfand wieder einzulösen. Dazu kam es natürlich nicht, da die Summe durch die Zinsen 1903 derart angewachsen war, dass Schweden auf Wismar vollständig verzichtete. Dies war aber schon in einem geheimen Zusatz des Malmöer Vertrag von 1803 geregelt.

Die Schweden entließen Wismar 1803 als völlig verarmtes Gemeinwesen an Mecklenburg, dazu noch versehen mit einer besonders hohen vertraglich abgesicherten Ausfuhrsteuer Wismarer Waren, die erst 1864 durch den Beitritt Mecklenburgs zum Norddeutschen Bund aufgelöst wurde.
St. Georg & St. Marien
St. Georg & St. Marien

Heute erinnert das sehr gut gelunge restaurierte Zeughaus, das Pack- und Provianthaus und die vor der Hafeneinfahrt seit Ende der Schwedenzeit angebrachten sogenannten Schwedenköpfe, sowie Straßennamen und die St.Marienkirchturmuhr, die vom schwedischen General von Wrangel gestiftet wurde, an die schwedische Vergangenheit.

Seit 1993 gibt es in Wismar zum Gedenken an diese Zeit ein Schwedenmahl, woraus sich seit 2003 Jahren ein Schwedenfest entwickelte. Die nachgebildeten Schwedenköpfe als Anhänger sind beliebte Souvenirartikel und entwicklen sich als eines Wahrzeichen der Stadt.

Hinzu kommen viele Verbindungen zu schwedischen Städten und Regionen. Seit 2003 gibt es eine Städtepartnerschaft mit der südschwedischen Stadt Kalmar. Das schwedische Königspaar besuchte Wismar und König Karl Gustav spendete für die Restaurierung des Zeughauses ei-nen nicht unerheblichen finanziellen Betrag.

Wismar´s Neuanfang zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Mecklenburg wurden neben den oben beschriebenen Schwierigkeiten noch durch die Miteinbeziehung in die französischen Besetzungen und die Freiheitskämpfe erschwert. Hinzu kam die von Napoleon von 1806 bis 1813 verhänge Kontinentalsperre, mit verheerenden Wirkungen für den wirtschaftlichen Bereich Wismars.

Eine der bedeutendsten Wismarer Bürgermeiter, Johann Anton Haupt, entwickelte in seiner kurzen Amts- und Lebenszeit (1800 – 1835) sehr viele Reformen. Als ehemaliger Burschenschaftler, der am Wartburgfest der Studenten teilnahm, entwarf er eine Reform des Armenwesen in Mecklenburg. In Wismar hat er als Bürgermeister die Ersparnisanstalt (die spätere Sparkasse), das Krankenhaus, den städtischen Friedhof vor den Toren der Stadt, um nur einiges zu nennen, gefördert. Kurz vor seinem Tod, 1835, forderte er eine Anbindung Wismars an das deutsche Eisenbahnnetzt, welches erst zwei Jahre zuvor begann, Deutschland zu erobern.

Diese Reformtätigkeit kam nicht von ungefähr, denn die strengen Maßnahmen, die Wismar in wirtschaftlicher Sicht hinderten, brauchten eine neue Infrastruktur.

Die Eisenbahn erreichte Wismar erst 1848 und die Wismarer ließen ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis auf das Wassertor und zwei Wachtürme, nahezu alle mittelalterlichen Befestigungen abreißen, um so auch nach außen ihre Isolierung zu durchbrechen, was ihr erst wie weiter unten zu lesen, Ende des 20.Jahrhunderts gelang

Der Wismarer Hafen wurde ständig ausgebaut und der Durchstich zum Neuen Hafen war 1895. Daraufhin folgten weitere Hafenerweiterungen und Wismar war ein beliebter Ort für Schiffsüberwinterungen, da man im bis in das 19. Jahrhundert im Winter keinen Schiffsverkehr hatte. Dies brachte zusätzliche Einnahmen für viele kleinere und größere Unternehmen.

Wassertor & Lohberg um 1900
Seite 1897 ist Wismar wieder mit Sitz und Stimme im mecklenburgischen Landtag vertreten und daran kann man ermessen, welche nachteiligen Auswirkungen die Einschränkungen Wismars nach der „Schwedenzeit“ hatten und die Wismarer trotzdem alles unternahmen, um den
Wassertor & Lohberg um 1900

wirtschaftlichen Aufschwung zu bekommen – ein Phänomen, das heute noch existent ist!

Erst ab der Hälfte des 19. Jahrunderts begann eine langsame wirtschaftliche Bewegung, die sich durch zunehmende Industrialisierung auszeichnete, sicherlich auch begünstigt durch die „Gründerjahre“ nach dem Deutsch/Französischen Krieg 1870/71.

Heinrich Podeus, ein Warnemünder Kapitän, errichtete eine Eisengießerei und eine nicht unbedeuteden Reederei mit eigenen Schiffen. Aus der Eisengießerei entwickelte sich ein Maschinenbauunternehmen, das u.a. schon vor dem I. Weltkrieg PKW und LKW herstellte und später als Wismarsche Waggonfabrik AG, maßgeblichen Anteil am wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt hatte.

Nicht zu vergessen ist der Verleger Carl Diethlof Hinstorff, der ab 1849 am Wismarer Markt, wo er Jahre zuvor seinen Beruf erlernte, einen bis heute weit über die Grenzen Deutschlands bekannten Verlag eröffnete. Seinen Durchbruch gelang ihm mit der Herausgabe der Werke von Fritz Reuter, der ihm die Exklusivrechte übergab. Hinstorff verlegte aber auch den mecklenburgischen Jahreskalender „Voß und Hans´“, und besaß über mehrere Jahrzehnte die Kozenssion zur Herausgabe des „Mecklenburgischen Tageblattes“.

Mit Rudolf Karstadt, der im benachbarten Grevesmühlen geboren ist, betritt Wismar ab 1882 erstmals wirtschaftliches Neuland im Handel und ist als Keimzelle für einen der ersten „Globalplayer“ zu sehen. Karstadt revolutionierte den Handel, indem man „baar und zu festen Preisen“ bezahlen mußte. Sein erstes Geschäft befand sich in der Krämerstraße.

1907 erwarb er an der Ecke Lübsche Straße/Krämerstraße ein Grundstück und erbaute hier sein erstes, im unverwechselbaren über Jahrzehnte beibehaltenem „Karstadtstil“, Kaufhaus in einer Rekordzeit von zwölf Monaten. Die festliche Eröffnung fand am 15. Mai 1908 statt. Neuartig war auch die erste in Nordeutschland angewandte Stahlbaukonstruktion, die mit Sandsteinplatten belegt wurden und die für damalige Verhältnisse überdimensionierten Schaufenster.

Heoinrich Podeus und Carl Hinstorff haben ihre letzte Ruhe auf dem Wismarer Friedhof gefunden, während dem der 1944 verstorbene Rudolf Karstadt in Schwerin begraben ist.

Diese drei Namen sollten für eine Reihe von weiteren historischen Industriegründern der damiligen Zeit gehören, wozu der Schlachthof, die Zuckerfabrick, die Malzfabrik, die Sägefabrik und weiteren Holzunternehmen, sowie kleineren Werften, um nur einige zu nennen, ste-hen.

Die Kaufmannskompagnie war der einzigste anerkannte „Wirtschaftsverband“, der auch den Wismarer Rat in wirtschaftlichen Fragen beriet und hier versammelten sich auch Wismars bedeutendste Unternehmerpersönlichkeiten.

1903 verzichtete das Königreich Schweden endgültig auf Wismar und wird in das Großher-zogtum Mecklenburg eingeliedert.

An Wismars Häusern ist heute noch ablesbar, dass es um die Jahrhundertwende eine rege Bautätigkeit gegeben hat und das ist auch der zunehmenden Industrialisierung zu verdanken. Es entstanden sehr viele Miethäuser und die Stadt zählte rund 12.000 Einwohner, währenddem sie nach dem Abzug der Schweden 1803 auf die Einwohnerzahl zur Zeit der Stadtgrün-dung gesunken war.

Nach Beendigung des I.Weltkrieges hatte die Novemberrevolution ein kurzes Intermezzo in Wismar und bei den ersten demokratischen Kommunalwahlen erreichten die Sozialdemokraten die Mehrheit, was bis heute, die Diktaturen zwischen den Jahren 1933 und 1989 ausgenommen, fortgesetzt wird.

Die Inflation in Deutschland und die nachfolgende Weltwirtschaftskrise macht auch vor Wismar nicht Halt und es kommt zur größten Arbeitslosigkeit der Stadt. Da war 1934 die Ansiedlung der „Nordeutsche Dornier-Flugzeugwerke“ auf dem Haffeld ein Hoffnungs-schimmer, der die schlimmste Not linderte. Die Nazis übernahmen gewaltlos die Macht in der Stadt und es nicht zu verleugnen, dass sie gehorsame Vollstrecker des Regimes waren.

Wismars Kriegszerstörungen waren zwar nicht so immens wie in vielen anderen deutschen Städten, doch sie schmerzen noch heute. Von 1940 bis 1945 flogen amerikanische und englisch-kanadische Fliegerverbände insgesamt zwölf Luftangriffe, wobei 313 Menschen getötet werden. 344 Häuser werden total zerstört und 591 bis 1025 Häuser schwer bis leicht. Besonders schmerzlich war der Luftangriff vom 14. April 1945 bis zum 15. April 1945, wo englische Kampfverbände mit Brandbomben und Luftminen das gotische Vierte Wismars mit den beiden Kirchen St. Georgen und St. Marien und weiteren nicht zu ersetzenden gotischen Bauten zerstörten. Lediglich die Flugzeugwerke von Dornier auf dem Haffeld blieben unzerstört. Dies übernahmen nach der Befreiung und Kapitulation später die Russen.

Am 2. Mai 1945 wird Wismar kampflos dem 1. kanadischen Fallschirmbattaillon der 6. Luft-landedivision übergeben.

Die englischen und kanadischen Besatzungstruppen blieben vereinbarungsgemäß bis zum 1. Juil 1945 in Wismar und übergaben dann die Stadt an die sowjetische Armee. Diese verließen die Stadt erst im Mai 1993.
Hafen mit Baumhaus um 1870
Hafen mit Baumhaus um 1870

Wiederum zeigte sich der Aufbauwille der Wismarer, zudem die Stadt durch den Zuzug von Flüchtlingen von 30.000 Einwohner rasch auf 48.000 Einwohner stieg.

Politisch wird die Stadt zunächst von Sozialdemokraten dominiert, wobei letztendlich der kommunistische Einfluß der Sowjets den deutschen Kommunisten Rückenwind gibt und nachdem Sozialdemokraten und Kommunisten das für die ostdeutsche Sozialdemokratie tödliche Bündnis eingehen, ist Wismar fest im kommunistischen Einflußbereich, die schnell die gesamte Macht erringen.

Die Stadt breitet sich notgedrungen um einige Neubaugebiete um den alten Stadtkern extensiv aus.Es entwickelte sich aus der 1908 gegründeten Ingenieurakademie eine bis heute international anerkannte Hochschule und einige Fachschulen.

Aus der kleinen Hansewerft entstand eine moderne Werft mit einer Kabelkrananlage und drei Slipanlagen. Der Hafen entwickelte sich mit der größten Kaliumschlageinrichtung Europas zu einem bedeutenden Umschlaghafen für Kali, aber auch für Stückgüter und Holzumschlag. Größere bestehende Firmen wurden enteignet, darunter auch „KARSTDT“ und weitere mittelständische Unternehmen.So konnten in der „sozialistischen Diktatur des Proletariates“ nur kleine Handwerks- , Handel- und Gastronomiebetriebe bestehen bleiben.

Wismar hat 1989 rund 58.000 Einwohner.

Am 4. November 1989 begann die erste große Demonstration mit ca. 40.000 Beteiligten auf dem Wismarer Marktplatz, gegen die herrschende sozialistische Diktatur.

Die Ereignisse überschlugen sich tätglich, sa dass es für den Chronisten heute noch schwer ist, diese in Kurzform zu halten. Der alte Rat der Stadt Wismar blieb zwar noch im Amt und versuchte mit Gesprächsforen, Verständnis bei den Bürgern zu erlangen. Doch die Zeit war reif für einen, glücklicherweisen, friedlichen Übergang von einer Diktatur zur demokratischen Freiheit.

Den Ratsmitgliedern wurden aus den Bürgerinitiativen, wie dem Neuen Forum und anderen Parteien, Beisitzer zugeordnet, die darauf achteten, dass die beginnenden demokratischen Strukturen nicht behindert wurden.

Am 18. Januar 1990 beschließt der alte Rat der Stadt in einer Ratssitzung , wieder den Beinamen „Hansestadt Wismar“ anzunehmen und schließt somit den Kreis zu den Anfängen der Stadt.

Im März 1990 löste der „Runde Tisch“, der sich aus den verschiedensten Bereichen, politischen Gremien, Kirchen und Bürgerinitiativen zusammensetzte, die Stadtverordnetenver-sammlung auf und konstituierte sich als beschlussfassendes legislatives Gremium.

Die ersten demokratischen Kommunalwahlen finden im Mai 1990 nach nahezu 60 Jahren wieder in Wismar statt. Am 30. Mai 1990 konstituiert sich die Bürgerschaft, wobei die Sozialdemokraten die stärkste Fraktion bilden und mit der Ärztin Dr. Rosemarie Wilcken die Bürgermeisterin stellen, die bis heute erfolgreich im Amt wirkt. Als Novum sei angemerkt, dass Rosemarie Wilcken zudem noch die erste und bisher einzigste Frau in diesem Amt der nahezu 777-jährigen Hansestadt ist.

2005 bietet sich zu 1990 schon wieder ein völlig anderes Bild und noch nie in der Geschichte Wismars wurde soviel gebaut und verändert.

Die verkehrsgünstige Lage, der Hafen liegt in einer gezeitenlosen meeresoffenen Bucht und die Verkehrsstraßen, mit einem der besten Autbahnkreuze im Nordosten Deutschlands, erfassen alle Himmelsrichtungen, sowie der teilweise gut erhaltene und im Wiedererstehen begriffene mittelalterliche Stadtkern mit über 300 Einzeldenkmalen von der Gotik bis zu den Neostilen, sorgen für die wirtschaftliche und touristische Attraktivität Wismars.

Der Aufbau von St. Georgen ist so gut vorangeschritten, dass der Kircheninnenraum ge-schlossen für Ausstellungen und Konzerte genutzt werden kann und die Restaurierungsarbeiten voraussichtlich 2010 abschließen kann. Dies ist mit ein Verdienst der deutschen Stiftung Denkmalschutz, dessen Vorsitzender, Prof. Dr. Gottfried Kiesow, 2004 die Wismarer Ehrenbürgerschaft verliehen bekam.

Besonders der in seinen Ursprüngen gut erhaltene 76 Hektar grosse alte Stadtkern hat die Bürgerschaft veranlasst, gemeinsam mit der Hansestadt Stralsund, einen Antrag auf Anerkennung als Weltkulturerbe bei der UNESCO zu stellen, dem im Juni 2002 stattgegeben wurde und Wismar so eine späte aber verdiente Würdigung erhielt.

Der Bau der Ostsee-Autobahn A 20 und der A 241 nach Schwerin, wird sich weiter günstig auf die Entwicklung der Stadt auswirken und erstmalig in der Geschichte der Hansestadt Wismar werden solche wichtigen Infrastrukturen mit und für die Region entwickelt.

Neben der traditionellen maritimen Industrie mit der größten Kompaktwerft Europas und ei-nem prosperierenden Hafen hat sich auf dem Hafffeld mit der holzverarbeitenden Industrie ein neuartiger Industriezweig für Wismar angesiedelt. Das neue Technologie- und Forschungszentrum im Wismarer Hafen wird für weitere innovative Schübe sorgen. Besonders für eine Vielzahl von kleineren aber außerst effektiv arbeitenden mittelständischen Unternehmen.

Die Wismarer Hochschule mit universitären Charakter hat sich seinen Ruhm nicht nur bewahrt sondern international erweitert, ist fester und verlässlicher Partner der Wirtschaft und des Technmologie- und Forschungszentrum.

Das Landesfilmzentrum und das Technische Landesmuseum, beide beheimatet in der Hanse-stadt, sorgen für weitere innovative Schübe in ihren Bereichen und ergänzen sich mit Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft gleichermaßen.

Ein Grüngürtel, bestehend aus Gärten und Parks, umzieht die Stadt, und die wirtschaftlich eng mit der Stadt verbundene Insel Poel am Ausgang der Wismar-Bucht ist beliebtes Naherholungsgebiet der Wismarer. Besonderer Anziehungspunkt ist die am Westrand der Stadt ange-siedelte Landesgartenschau aus dem Jahr 2002, dessen Gelände in der Nachnutzung zu einem Fest- und Bürgerpak erschließt

Die Hansestadt Wismar ist mit ihrer, auch durch Bürgerschaftsbeschluß bekräftigten Kreis-freiheit, in ihrem Wesen als selbständiges urbanes Zentrum standhaft geblieben.

Toleranz, Weitblick und Zuverlässigkeit zeichnet Wismar und die Wismarer aus und das lie-ben auch die zugezogenen, Bürger wie Investoren.So ist zu hoffen, dass die nunmehr 46.000 zählende Einwohnerschaft weiter wächst und sich ihrem nachzuvollziehenden Idealen treu bleibt. Dabei wissen die bodenständigen Wismrer auch, dass letztendlich nicht Quantität son-dern Qualität sich auszahlt. Dies ist auch das Fazit aus einer nahezu 800-jährigen Erfolgsge-schichte einer Stadt - der „stat to de wissmer“ im Norden unseres gemeinsamen Deutschlands.


Detlef Schmidt
Wismar, 05. Juni 2005